

Ihre Sehnsucht nach Afrika inspirierte Miriam Hebner, 42, ein Perlengeschäft zu eröffnen.
Perlenschnüre aus Glas gleiten durch ihre Finger, schimmern in allen Farbern des Regenbogens und klackern leise,
wenn sie sich berühren. Das Geräusch erinnert Miriam Hebner an Afrika: an heiße, staubige Märkte, auf denen sich
die Rufe der Perlenhändler mit den Stimmen der Käufer mischen. Wie bunte Schlangen liegen die Perlenstränge dort
bündelweise auf den Tischen. "Als ich das gesehen habe, war ich völlig verzaubert", erzählt die Schmuckdesignerin.
Schon als junge Frau reiste Miriam, die 20 Jahre als Reiseverkehrskauffrau arbeitete, wann immer es ging, nach
Simbabwe, Kenia und Tansania. Sie liebte die Mentalität der Einwohner, die Aufmerksamkeit, die sie den kleinen
Dingen des Lebens widmen. Sie liebte die Landschaft, die erdigen Farben, die Stille der Wüste, das quirlige Leben
in den Dörfern: "Ich habe oft stundenlang im Schatten gesessen und das Leben dort beobachtet." Zurück von ihren
Reisen, fällt es ihr von Mal zu Mal schwerer, sich an die Agentur zu gewöhnen, an Telefonate, Statistiken,
Computerabstürze.
Sie ist nicht unglücklich - aber etwas fehlt. Was genau, findet sie auf einer Reise ins Westafrikanische Togo
heraus. Die liegt jetzt sieben Jahre zurück, und was da passierte, klingt ein bischen wie ein Märchen. Miriam fliegt
nach Lomé, in die Hauptstadt von Togo. Sie möchte Binos besuchen, einen Togolesen, den sie kurz zuvor in Deutschland
kennengelernt hat. Und weil es nun heftig funkt, lassen sich die beiden wenig später im Rathaus von Lomé trauen.
Dass Binos ihr auf der Hochzeitsreise sein Land näherbringen möchte, ist ihr nur recht. Irgendwann führt er sie auf
einen Perlenmarkt - ein unvergesslicher Moment: "Als ich die warmen, staubigen Perlen anfasste, wusste ich, dass sie
es sind, die ich zum Glücklichsein brauche."
Zurück in Deutschland beginnt Miriam, ihrem Traum eine Basis zu geben. Sie besucht Schmuckdesign- und Buchhaltungskurse.
Bald entwirft sie eigenen Schmuck, den sie an Freundinnen verkauft. Dann kündigt sie ihren Job und mietet einen
kleinen Laden in Hamburg-Eppendorf. "Obwohl ich wusste, dass es mein Weg ist, hat mich oft die Angst gepackt, es nicht
zu schaffen", erinnert sie sich. Anfang 2006 eröffnet ihr Laden: "Viele Arbeitsabläufe sind zwar die gleichen
wie früher, aber ich bin nicht mehr genervt davon: weil ich sie für mich mache", sagt sie stolz. Und: Afrika ist jetzt
immer bei mir.
Denn wenn die Perlen knapp werden, fährt sie nach Togo und kauft Nachschub. In dem Land leben ganze Händler-Dynastien
von den Perlen; viele stammen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, als reisende Kaufleute die Perlen aus dem fernen
Europa in das kleine westafrikanische Land brachten, um damit Gewürze und andere Ware zu bezahlen. Diese alten Perlen
gelten heute als besonders kostbar. Wenn Miriam auf die Märkte geht, kommt Missio mit, ihre Schwiegermama. Missio
verhandelt mit den Verkäufern, da Miriam die Dialekte nicht beherrscht. Von ihr weiß Miriam um die magischen Kräfte
der Perlen und dass alle Frauen von Missios Familie Perlenhändlerinnen waren... Der Zauber wirkt. Miriam möchte
nie mehr tauschen.
Brigitte Woman, 06/2009